Geldwäsche im Handel – Herausforderungen, Aufdeckung und Prävention
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- 01 Was ist handelsbasierte Geldwäsche (TBML)?
- 02 Warum wird handelsbasierte Geldwäsche betrieben?
- 03 Drei Phasen der handelsbasierten Geldwäsche
- 04 Nichtdokumentarische Transaktionen – Die größte Herausforderung
- 05 Handelsbasierte Geldwäschesysteme
- 06 Umfang der Handelsfinanzierung
- 07 FATF-Bericht – Warnsignale
- 08 Letztendlich kommt es darauf an, seinen Kunden zu kennen.
Bereits 2006 betonte die Financial Action Task Force (FATF) in ihrem Bericht über handelsbasierte Geldwäsche die Notwendigkeit neuer Maßnahmen und Strategien für Banken zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung. Laut Bericht hob die FATF hervor, dass mit der Anwendung neuer Standards andere Geldwäschemethoden an Effektivität gewinnen. Es besteht zudem die hohe Wahrscheinlichkeit, dass handelsbasierte Geldwäsche attraktiver wird. Darüber hinaus wird dem Missbrauch des internationalen Handelssystems derzeit nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt.
Seit der Veröffentlichung des FATF-Berichts hat die Geldwäsche im Zusammenhang mit dem Handel zunehmend an Bedeutung gewonnen. Laut einer Analyse von Global Financial Integrity beliefen sich die illegalen Geldflüsse von und nach Schwellen- und Entwicklungsländern zwischen 2005 und 2014 auf 12 bis 24 % ihres gesamten Handelsvolumens. Der potenzielle Schaden durch diese Gelder ist ein Problem von über einer Billion Dollar. Seit Jahren arbeiten Aufsichtsbehörden und der internationale Handelssektor zusammen, um dieses wachsende Problem anzugehen. Institutionen wie die FATF haben verschiedene Richtlinien herausgegeben, um Banken im Kampf gegen Geldwäsche zu unterstützen.
Was ist handelsbasierte Geldwäsche (TBML)?
Handelsbasierte Geldwäsche ist die raffinierteste Methode, Schwarzgeld durch Ausnutzung komplexer Handelssysteme zu waschen. Sie umfasst in der Regel den Import und Export von Waren sowie die Nutzung grenzüberschreitender Handelsfinanzierung. Handelsbasierte Geldwäsche tritt besonders dann auf, wenn zahlreiche Beteiligte und Jurisdiktionen die Kundenprüfung (Customer Due Diligence, CDD) und die Bekämpfung von Geldwäsche erschweren.
Geldwäsche ist nach Öl und Währungen der drittgrößte Wirtschaftszweig weltweit, so das Internationale Informationsbüro für Geldwäsche (IMLIB). Dank des technologischen Fortschritts werden Kriminelle immer raffinierter, und handelsbasierte Geldwäsche zählt zu den ältesten und gleichzeitig ausgefeiltesten Formen der Geldwäsche.
Warum wird handelsbasierte Geldwäsche betrieben?
Kriminalität und Geldwäsche sind eng miteinander verknüpfte Konzepte, die sich gegenseitig bedingen. Geldwäsche dient dazu, durch Straftaten erwirtschaftetes, illegal erworbenes Geld zu verbergen und zu waschen. Einzelpersonen versuchen, ihre illegalen Gewinne zu sichern, indem sie diese in Steueroasen mit niedrigeren Steuern deklarieren und so das Geld verschwinden lassen. Eine Straftat ist erst dann eine Straftat, wenn sie bewiesen ist – und genau so funktioniert Geldwäsche: illegal erworbenes Geld wird als hart verdientes Geld ausgegeben.
Geldwäscher nutzen diverse Kanäle und Netzwerke, um ihr Schwarzgeld an Orte zu bringen, wo die Herkunft schwer zu ermitteln und die Transaktionen nachzuverfolgen sind. Diese Kanäle dienen außerdem der persönlichen Sicherheit, der Steuervermeidung und der politischen Stabilität. Die geleakten Panama Papers enthüllten verschiedene Aspekte, wie Reiche und Mächtige ihr Vermögen verbergen. Zudem zeigten sie, wie Unternehmen ihren Kunden halfen, Sanktionen zu umgehen, Geld zu waschen und Steuern zu hinterziehen. Der Großteil des illegalen Geldes stammt aus diversen handelsbasierten Geldwäschepraktiken.
Aktuelle Statistiken zeigen einen Anstieg illegaler Geldflüsse aus Bangladesch. Dies liegt daran, dass der Großteil der Exporterlöse Bangladeschs aus dem Export von Bekleidung (RMG) stammt. Um RMG-Exportaufträge abzuwickeln, werden täglich millionenschwere Back-to-Back-Akkreditive (BBLC) gegen Exportverträge und Akkreditive ausgestellt. Hier entstehen Risiken der Geldwäsche im Zusammenhang mit dem Handel, da Geldwäsche in diesem Bereich einfacher ist als bei anderen Außenhandelsgeschäften.
Drei Phasen der handelsbasierten Geldwäsche
Handelsbasierte Geldwäsche erfolgt, wie Geldwäsche allgemein, üblicherweise in drei Phasen. Der Ablauf ist wie folgt:
- Platzierung: In der Platzierungsphase wandelt der Kriminelle die illegalen Erträge in rechtlich übertragbare Vermögenswerte um; beispielsweise durch den Kauf von Waren.
- Verschleierung: Bei der Verschleierung versucht der Staat, den Zusammenhang zwischen seinen Ermittlungen und der kriminellen Quelle, wie beispielsweise dem grenzüberschreitenden Warenhandel, zu verbergen.
- Integration: Schließlich, in der Integrationsphase, führt der Täter das illegal gewaschene Geld wieder in die legale Wirtschaft ein, beispielsweise durch den Weiterverkauf der gekauften Waren.
Nichtdokumentarische Transaktionen – Die größte Herausforderung
Handelsbasierte Geldwäsche ist aufgrund ihrer Natur oft schwer aufzudecken. Eine der größten Herausforderungen für die Strafverfolgungsbehörden bei der Identifizierung handelsbasierter Geldwäsche ist der nichtdokumentierte Handel. Bei nichtdokumentierten Transaktionen haben Banken je nach Transaktionsstruktur und internen Richtlinien nur begrenzten Zugriff auf Informationen. Beispielsweise verfügt die Bank möglicherweise nur über Name, Adresse und Kontonummer des Verkäufers sowie Name und Kontonummer des Käufers.
In solchen Fällen erfolgt der Handel ohne menschliches Eingreifen, ähnlich wie bei einer Überweisung. Banken können die zugrunde liegenden Handelsströme bei internationalen Transaktionen ohne Dokumentenverwaltung nicht nachvollziehen. Selbst bei einer Überweisung stehen nur sehr wenige Informationen zur Verfügung, die für das Validierungssystem der Bank nicht ausreichen. Banken greifen nur dann ein, wenn die Transaktionsanweisungen unklar sind oder eine Sanktion die Transaktion selbst zur weiteren Prüfung stoppt.
Banken müssen ihre Kunden und deren Geschäftsmodelle mithilfe einer umfassenden Due-Diligence-Prüfung verstehen, die unter anderem das Volumen und die Art der Waren oder Dienstleistungen umfasst. Kundenprofile helfen Banken, den Transaktionsfluss zu validieren und dessen Echtheit sicherzustellen.
Handelsbasierte Geldwäschesysteme
Mit der Entwicklung von AML-Kontrollen globalKriminelle nutzen neue Wege, um ihr Schwarzgeld zu verstecken. Handelsbasierte Geldwäsche ist eine Möglichkeit, Aufsichtsbehörden zu täuschen und illegale Gelder unentdeckt über Grenzen zu transferieren. Auch bei der handelsbasierten Geldwäsche wenden Kriminelle verschiedene Methoden an, darunter:
- Über- oder Unterfakturierung: Dabei geht es um die falsche Interpretation des Warenpreises und die Ausstellung überhöhter oder zu niedriger Rechnungen an den Importeur. Im Falle einer Überfakturierung erhält der Exporteur einen höheren Betrag vom Importeur. Im Falle einer Unterfakturierung hingegen fließt der höhere Betrag an den Importeur.
- Mehrfache Rechnungsstellung: Das bedeutet, dass eine Sendung mehrmals in Rechnung gestellt wird. Wenn der Exporteur dieselbe Sendung mehrfach in Rechnung stellt, erhält er vom Importeur höhere Beträge.
- Zu geringe oder zu hohe Versandkosten: Dieses Modell sieht vor, dass mehr oder weniger Waren als in Rechnung gestellt versendet werden. Bei einer Unterlieferung liefert der Exporteur weniger Waren als vertraglich vereinbart und erzielt dadurch einen höheren Erlös. Umgekehrt erhält der Importeur bei einer Überlieferung mehr Waren und somit einen höheren Wert.
- Verschleierung: Dabei handelt es sich um die Lieferung von etwas anderem als dem, was in Rechnung gestellt wurde. Beispielsweise interpretiert der Exporteur die offizielle Rechnung/Dokumentation falsch und behauptet, die Waren seien von Premiumqualität, wodurch er vom Importeur einen höheren Preis erhält.
- Phantom-Versand: Bei dieser Variante versendet der Exporteur gar keine Ware, stellt gefälschte Rechnungen aus und erhält die Zahlung vom Importeur.
Umfang der Handelsfinanzierung
Banken und Finanzinstitute stehen aufgrund der Art ihrer Geschäftstätigkeit unter ständiger Beobachtung der Aufsichtsbehörden. Die Handelsfinanzierung entwickelt sich zu einem bedeutenden Problemfeld. Bekämpfung der Geldwäsche (AML) Strafverfolgungsbehörden und Compliance-Beauftragte stehen vor der Herausforderung, Missbrauch in Handelsfinanzierungsprozessen aufzudecken und zu bekämpfen. Im Rahmen der Handelsfinanzierung erbringen Finanzinstitute verschiedene Dienstleistungen, die zu handelsbezogenen Geldwäscherisiken führen. Diese Dienstleistungen umfassen unter anderem:
- Bankgarantien und Dokumentensammlungen
- Kreditdienstleistungen (Import/Export, Verpackung, Vorversandkredite usw.)
- Finanzierung im Rahmen von Transaktionen auf offene Konten
- Treuhandquittungen und Akkreditive (L/C)
- Strukturierte Handelsfinanzierung
- Lagerfinanzierung
- Import-/Exportrechnungsdiskontierung
Um Warnsignale zu erkennen und Geldwäsche zu bekämpfen, müssen die Behörden diese Kanäle erneut unter die Lupe nehmen, um Risikofaktoren abzuleiten.
FATF-Bericht – Warnsignale
Die Financial Action Task Force (FATF) hat zahlreiche Leitlinien für Banken und andere Sektoren zur Bekämpfung von Geldwäsche herausgegeben. In ihrem jüngsten Papier zur handelsbasierten Geldwäsche präsentierte die FATF eine Liste von Warnsignalen für die Handelsfinanzierungsabteilungen der Banken. Durch das Erkennen dieser Warnsignale können Banken handelsbasierte Geldwäscheaktivitäten eindämmen.
Zu diesen Warnsignalen gehören:
- Es bestehen erhebliche Abweichungen zwischen den Warenbeschreibungen auf dem Lieferschein und der Rechnung.
- Ein deutlicher Unterschied zwischen dem auf Rechnungen ausgewiesenen Wert von Waren oder Rohstoffen und deren Marktwert. Beispiel: Goldexport
- Schmuck für 500 Dollar pro Unze, während der Marktpreis bei 950 Dollar pro Unze liegt.
- Die versendeten Waren entsprechen nicht den üblichen Geschäftsaktivitäten des Exporteurs oder Importeurs. Beispielsweise ist es verdächtig, wenn ein Textilhersteller Goldschmuck exportiert.
- Die Sendungsgröße steht in keinem Verhältnis zum üblichen Geschäftsumfang und den Aktivitäten des Exporteurs oder Importeurs. Beispielsweise versendet ein kleiner Spielzeugexporteur eine Sendung im Wert von 50 Millionen US-Dollar, obwohl sein normaler Geschäftsumsatz nur 10 Millionen US-Dollar beträgt.
- Transaktionen, bei denen Barzahlungen oder -einnahmen von Dritten erfolgen, die in keinem direkten Zusammenhang mit den eigentlichen Transaktionen stehen. Solche Transaktionen erfolgen üblicherweise über Briefkastenfirmen.
- Die Ware wird ohne triftigen wirtschaftlichen Grund über eine oder mehrere Jurisdiktionen oder Tochtergesellschaften versandt, die nicht miteinander verbunden sind.
Letztendlich kommt es darauf an, seinen Kunden zu kennen.
Die Analyse verschiedener handelsbasierter Geldwäschepraktiken und der von der FATF herausgegebenen Warnsignale lässt alles auf einen zentralen Punkt hinauslaufen: die Kundenidentifizierung. Know Your Client (KYC) zur Bekämpfung von Geldwäsche. Ein wirksames AML-Konformität Das Programm verpflichtet Banken und Finanzinstitute zur Verknüpfung von Kundendaten und regelmäßigen Geschäftsbenachrichtigungen.
Bei handelsbasierter Geldwäsche ist häufig die Beteiligung von Briefkastenfirmen zu beobachten. Für Banken und Finanzinstitute ist es wichtig, Das Geschäft kennen (KYB) und die wirtschaftlich Berechtigten (UBOs) aufzudecken, um Briefkastenfirmen und andere Unternehmen zu identifizieren, mit denen Geldwäscherisiken verbunden sind.

