Chinesische Technologiekonzerne prägen die UN-Standards für Gesichtserkennung.
Durchgesickerte Dokumente enthüllen, dass chinesische Technologiekonzerne die UN-Standards für Gesichtserkennung und Videoüberwachung entwickeln, berichtet von Financial TimesZu den Unternehmen, die neue internationale Standards vorschlagen, gehören der Telekommunikationsausrüster ZTE, der Sicherheitskamerahersteller Dahua Technology und der staatliche chinesische Telekommunikationskonzern China Telecom. Laut einem Bericht der Financial Times werden die neuen Standards in der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) der Vereinten Nationen für Gesichtserkennung, Videoüberwachung, Stadt- und Fahrzeugüberwachung eingebracht.
Die in Genf ansässigen 193 Mitgliedstaaten umfassenden ITU-Standards werden von Entwicklungsländern in Afrika, Asien und dem Nahen Osten häufig als politische Leitlinien übernommen. In diesen Regionen hat die chinesische Regierung im Rahmen ihrer „Neuen Seidenstraße“ die Lieferung von Infrastruktur und Überwachungstechnologie zugesagt.
Durch die Erstellung der Standards können Unternehmen die Vorschriften so gestalten, dass sie den Spezifikationen ihrer eigenen exklusiven Technologie entsprechen, was diesen Unternehmen wiederum einen Wettbewerbsvorteil verschafft.
Der Einfluss Chinas in internationalen Normungsgremien wie der ITU und der ISO hat in den letzten Jahren mit den wachsenden globalen Ambitionen des Landes zugenommen. ITU-Standards sind maßgeblich für die Festlegung von Regeln in afrikanischen Ländern, da diese nicht über die Mittel verfügen, eigene Regeln zu entwickeln. Die Erstellung und Verabschiedung dieser Standards dauert etwa zwei Jahre. Da chinesische Technologieunternehmen ihre Gesichtserkennung, insbesondere für Menschen mit dunkler Hautfarbe, verbessern wollen, sind Daten aus afrikanischen Ländern für sie von enormer Bedeutung. Die chinesische Regierung betrachtet die Entwicklung von Standards als Mittel, ihre Ambitionen auf eine führende Rolle im Bereich der künstlichen Intelligenz zu beschleunigen.
Die derzeit in der ITU diskutierten Vorschläge wurden von Menschenrechtsanwälten kritisiert, da sie die Grenze zwischen technischen Spezifikationen und politischen Empfehlungen überschreiten. Die von der ITU vorgeschlagenen Standards reichen nicht aus, um die Privatsphäre und Daten der Verbraucher ausreichend zu schützen.
