Frankreich will Social-Media-Nutzung von Minderjährigen mit obligatorischer Altersverifizierung ab 2026 einschränken
Frankreich bereitet die Umsetzung einer der schärfsten Regulierungsmaßnahmen Europas zum Thema Online-Sicherheit von Kindern vor. Die Regierung unterstützt einen Gesetzesvorschlag, der Kindern unter 15 Jahren ab September 2026 die Nutzung sozialer Medien verbieten soll. Dieser Schritt, der sich derzeit im Parlament zur Diskussion befindet, ist ein deutliches Zeichen dafür, dass der Übergang von freiwilliger Plattformkontrolle zu gesetzlich vorgeschriebenen Kontrollen nun kodifiziert ist.
Das Projekt, das Präsident Emmanuel Macron persönlich unterstützt, ist eine Reaktion auf die zunehmenden Erkenntnisse, dass Online-Medien die psychische Gesundheit schädigen, zu Schlafstörungen beitragen, Cybermobbing verschärfen und den Konsum von für Jugendliche ungeeigneten Inhalten fördern. Französische Beamte argumentieren, dass die bisher von Technologieunternehmen implementierten Selbstregulierungsmechanismen keinen wirksamen Schutz in großem Umfang gewährleisten.
Dem Gesetzesentwurf zufolge wäre es Online-Plattformen untersagt, Nutzern unter der Altersgrenze soziale Medien anzubieten, es sei denn, strenge Auflagen würden erfüllt. Kern des Vorschlags ist die verpflichtende AltersverifikationDie Plattformen wären verpflichtet, das Alter der Nutzer zu überprüfen und aktiv Konten von Minderjährigen zu sperren; bei Nichteinhaltung wären erhebliche finanzielle Strafen vorgesehen.
Für regulierte Branchen und Compliance-Verantwortliche stellt dies eine bemerkenswerte Eskalation dar: Alterssicherung Es wird nicht länger als bewährte Vorgehensweise, sondern als gesetzliche Pflicht angesehen. Diese Methode ermöglicht es Minderjährigen, gegenüber Plattformen wie TikTok oder Instagram ihr Alter (unter 15 oder über 15 Jahren) nachzuweisen, ohne dass die Plattformen jemals ihren Namen, ihr Geburtsdatum oder ihren Ausweis einsehen können.
Das Gesetz weitet auch das in Frankreich seit Langem bestehende Verbot der Handynutzung an Schulen aus. Handys wurden 2018 an Grund- und Mittelschulen verboten; der neue Vorschlag sieht eine Ausweitung des Verbots auf weiterführende Schulen vor und ist damit eine weitere Maßnahme der regierungsweiten Kampagne zur Reduzierung der Bildschirmzeit während des Schultages. Frankreich ist derzeit eines von sechs Mitgliedstaaten, die den EU-Plan zur datenschutzfreundlichen Altersverifizierung erproben. Dieser sieht Zero-Knowledge-Proof (ZKP) als datenschutzverbessernden Ansatz vor. ZKP unterstützt sowohl die Erfüllung der Sicherheitsanforderungen der französischen Datenschutzbehörde (DSA) als auch die Einhaltung der Datenschutzbestimmungen. DSGVO Prinzipien der Datenminimierung.
Die Entwicklung in Frankreich spiegelt einen zunehmenden internationalen Trend wider. Seit dem 10. Dezember 2025 gilt in Australien ein landesweites Verbot des Zugangs zu sozialen Medien für unter 16-Jährige, und auch Malaysia hat angekündigt, 2026 ähnliche Beschränkungen für diese Altersgruppe einzuführen. Macron hat zudem angedeutet, dass Frankreich sich für harmonisierte Regelungen auf EU-Ebene einsetzen könnte, insbesondere da Frankreichs bisheriger Ansatz zu Altersbeschränkungen aus dem Jahr 2023 aufgrund von Konflikten mit EU-Vorschriften auf Schwierigkeiten stieß.
Obwohl die öffentliche Zustimmung hoch ist, wirft die Durchsetzung der Vorschriften komplexe Fragen hinsichtlich datenschutzkonformer Altersverifizierung, grenzüberschreitender Plattformkonformität und EU-Rechtskonformität auf. Für digitale Plattformen ist die Botschaft eindeutig: Der Kinderschutz wird von der politischen Debatte zur harten regulatorischen Realität.
